Historie

Als die zahlreichen Vereinsmitglieder der DJK Roland West im Juli 1994 mit vielen pompösen Feierlichkeiten ihr 75jähriges Jubiläum zelebrierten, wird den meisten Partygängern wohl kaum bewusst gewesen sein, dass sie gerade ein „fiktives“ Datum feierten. Die Gründung des Bickendorfer Traditionsvereins ist nämlich nicht dokumentiert. Man beruft sich heute auf „altgediente Fachleute“, die die Gründung irgendwann zwischen 1918 und 1919 ansiedeln.

Damals waren es die Schüler der Volksschule Rochusstraße, die unter ihrem Turnlehrer Eduard Bethgen das Schlagballspiel erlernten und auch außerhalb der Schulzeit ihrer neuen Lieblingsbeschäftigung nachgehen wollten. Da sie aber nicht über eigenen Sportplatz verfügten, gingen sie in den damals neuen Blücherpark, um Training und Wettkämpfe auszurichten. Als kurze Zeit später viele junge Kriegsteilnehmer zurückkehrten, wurde die Schlagballtruppe immer größer und musste vernünftig organisiert werden. In der Turnhalle Borsigstraße wurde im Winter 1919 mit dem Training begonnen, der erste Sportplatz der DJKler befand sich in einem kleinen Park am Akazienweg, auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei.

30-40 Personen waren es damals, die den Verein gründeten und schon bald neben dem Schlagballspiel auch der Leichtathletik nachgingen. Die Sportmonturen, von den Müttern selbst genäht, bestanden aus schwarzen Hosen und Hemden mit gelben Kragen, womit auch bereits die Vereinsfarben geboren waren. Später wurde noch ein gelbes „R“ auf die Trikots genäht, was auf die Sportabteilung von St. Rochus hinweisen sollte. Ein Jahr später, 1920, wurde die Deutsche Jugendkraft (DJK) gegründet, der man sofort angehörte. Auf Empfehlung der DJK- Verbandsführung sollte der Verein aber künftig anstelle des Kirchenpatronats einen weltlichen Namen tragen. So entschied man sich nach kurzen Überlegungen für den Namen „Roland“, damit die Anfangsbuchstaben auf den Trikots nicht ausgetauscht werden mussten.
Unter dem Namen „DJK Roland“ wurde der Verein angesichts sportlicher Erfolge in kürzester Zeit in Stadt und Land bekannt. Vor allen Dingen die Leichtathletik, und hier ganz besonders die Straßen-Staffelläufe, waren zu jener Zeit sehr beliebt. und nach anfänglichen Schwierigkeiten mauserten sich die Leichtathleten der DJK Roland in dieser Disziplin zur regionalen Spitze.

1923 wurden mehrere Straßenläufe gewonnen. Unzweifelhafter Höhepunkt war der Sieg in der Ringstraßenstaffel von Köln, die vom Oberländer Ufer entlang Ringstraßen bis zur Bastei ausgetragen wurde.

Mit dem Fußball war es bei der DJK Roland indes lange Zeit nicht weit her. Zunächst wurde 1923 noch eine Handballmannschaft gegründet, ehe Gevatter Zufall herhalten musste, damit es überhaupt zu einem ersten Fußballspiel mit Roland- Beteiligung kommen konnte. Die 2. Handballmannschaft fuhr 1927 zu einer Partie in die Nähe Wuppertals. Als man beim Gegner angekommen war, stellte sich heraus, dass es sich dort um eine Fußballmannschaft handelte. Also wurde kurzerhand statt einer Parte Handball eine Partie Fußball ausgetragen, die die Kölner auch prompt gewannen.

Trotz dieses Erfolges sollte es bis zur Gründung einer eigenen Fußballabteilung noch eine Weile dauern. Erst als 1930 an der Wilhelm-Mauser-Straße von arbeitslosen Roländern ein neuer Sportplatz errichtet wurde, etablierte sich hier auch eine Fußballmannschaft, die unter der Leitung von Spielführer Heinz Neunzig stand. Bemerkenswerte Erfolge konnten allerdings bis zur Vereinsauflösung durch die Nazis 1935 nicht mehr eingeheimst werden.

Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es bis 1949, ehe der Verein nach dem Zusammenschluss der beiden Pfarreien St. Peter und St. Rochus unter seinem alten Namen DJK Roland wieder ins Leben gerufen wurde. In der Folgezeit war es vor allen Dingen Hermann Josef Hironymi, der dem Verein durch seinen Einsatz und seiner Originalität seinen Stempel aufdrückte. „Et Pastürche“ oder „Dä Rronymi“ waren die Spitznamen des Kaplans von St. Rochus, der ein ausgesprochener Sportfan war. In allen westlichen Stadtteilen Kölns war „Et Pastüche“ wohl bekannt und immer war er für seinen Verein DJK Roland auf Tour. Unermüdlich, ob zu Fuß, per Fahrrad oder Vespa, später sogar mit einem VW Käfer, düste er durch Bickendorf und Ehrenfeld, fast immer in wichtiger Mission für die Roländer. Er managte einfach alles: Ob es der Bau eines Sportheimes war oder der Kauf eines Segelfliegers für die Segelflug-Abteilung des Vereins, wenn er andere fragte: „Hast du Zeit?“, war der Angesprochene im Grunde genommen schon verloren und fest in die nächsten Aktivitäten eingebunden. Wer bei den Roländern allerdings von „Dä Rronymi“ spricht, der hat fast gleichzeitig auch den „Schamong us dem Kaffeegeschäft“ auf der Zunge. Josef Schamong, der gemeinsam mit dem Kaplan ein wenig wie Pat und Patschon aussah, war der zweite große Ehrenamtliche, der für den Aufwind der DJK Roland nach dem Krieg verantwortlich war. Als Geschäftsführer organisierte er unermüdlich Wettkämpfe, Feierlichkeiten und Freizeiten, für die der Verein später regelrecht berühmt wurde.

Weniger berühmt wurde allerdings auch nach dem Krieg die Fußballabteilung. Anfang der 50er Jahre fand das Geschehen noch auf dem TVE-Platz an der Venloer Straße statt, ehe 1953 fast 100 Fußballer aller Altersklassen die Einweihung des Rolandplatzes an der Rochusstraße feiern konnten. Die erste Mannschaft, die sich aus der katholischen Jugendmannschaft der Pfarrei Dreikönigen zusammensetzte, schaffte daraufhin gleich im ersten Anlauf den Aufstieg in die 2. Kreisklasse. Doch so richtig war das Fußballfieber bei den Roländer trotzdem nicht zu wecken. Viele Spieler verließen den Klub, gingen in die Nachbarvereine, und als 1960 einige Misserfolge offensichtlich demoralisierend auf die Spieler der 1. und 2. Mannschaft wirkten, lösten sich beide Teams auf und spielten statt dessen als Thekenmannschaft weiter. Ersatzweise spielten die mittlerweile erwachsen gewordenen Jungen aus der 4. Klasse als 1. Mannschaft weiter. Zwar kassierten sie zumeist Niederlagen in zweistelliger Höhe, doch am Ende der Saison konnten sie sich über den Fairnesspokal des Fußballverbandes Mittelrhein freuen.

Somit war die größte Krise überstanden. 1964 gelang der Wiederaufstieg in die 2. Kreisklasse, in der die Bickendorfer knapp die nächsten zehn Jahre eine gute Rolle spielten. Ende der 60er Jahre war hin und wieder sogar die Chance zum Aufstieg in die 1. Kreisklasse da, doch letztlich zeigte sich das Team im Schlussspurt nicht stark genug, um die zuvor herausgespielte gute Ausgangsposition bis ins Ziel zu retten.
Anstatt den Aufstieg in die 1. Kreisklasse anzugehen, entwickelte sich die 1. Mannschaft dagegen in den folgenden Jahren zu einer regelrechten Fahrstuhlmannschaft zwischen der 2. und 3. Kreisklasse bzw. Kreisliga B und C. Nach Einführung der Kreisliga D im Kreis Köln war die 1. Mannschaft der DJK Roland West sogar für einige Jahre in diese Liga abgerutscht.

Erst im Jahr 2005 gelang unter Trainer Janis Klepers der Wiederaufstieg in die Kreisliga C, in der die junge Truppe der Roländer auf Anhieb eine gute Rolle spielte. Während die 1. Mannschaft mit einer sehr jungen Mannschaft bereits den Aufstieg in die Kreisliga B im Auge hatte, formte sich auch wieder eine zweite Mannschaft. Sechs Jahre später erfolgte der Doppelaufstieg. In der Saison 2010/11 schaffte die 1. Mannschaft den Aufstieg in die Kreisliga B und im selben Jahr stieg die zweite Mannschaft in die Kreisliga C auf. Beide Mannschaften hielt es für zwei Jahre in ihrer Liga, ehe man 2013 wieder parallel je eine Liga runter musste. Anschließend schaffte die 2. Mannschaft den direkten Wiederaufstieg. Seit dem spielen sowohl 1. als auch 2. Mannschaft in der Kreisliga C.